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Neuigkeiten
28.01.2020, 13:42 Uhr
Wellingholzhausener Grünkohlessen mit Wolfgang Bosbach
In diesem Jahr präsentierte die CDU Wellingholzhausen einen besonderen Gast, Wolfgang Bosbach.


Wolfgang Bosbach, Rechtsanwalt und CDU Politiker, war von 2000 bis 2009 stellvertretender Vorsitzender der CDU Bundestagsfraktion. 
Von November 2009 bis 2015 war er Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages.

Bilder des Abends befinden sich in der Bildergalerie!












Bericht des Meller Kreisblattes von Christoph Franken

Bosbach in Melle: Lieber Busverbindungen statt Flugtaxis

Die Rede von Wolgang Bosbach (rechts) begeisterte Gastgeber Christoph Heidenscher und 140 Teilnehmer der CDU-Veranstaltung in Wellingholzhausen. Foto: Christoph FrankenDie Rede von Wolgang Bosbach (rechts) begeisterte Gastgeber Christoph Heidenscher und 140 Teilnehmer der CDU-Veranstaltung in Wellingholzhausen. Foto: Christoph Franken
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Wellingholzhausen. Mit einem munteren rhetorischen Parforceritt durch aktuelle politische Themenfelder begeisterte am Montagabend der bekannte CDU-Politiker Wolfgang Bosbach rund 140 Parteifreunde im Meller Stadtteil Wellingholzhausen. Die waren auf Einladung des örtlichen CDU-Vorsitzenden Christoph Heidenescher zum traditionellen Grünkohlessen in die Gaststätte Knemöller-Lindhaus gekommen.

Unter ihnen waren als Ehrengäste unter anderem die Landtagsabgeordnete Gerda Hövel, der stv. Landrat Mirco Bredenförder, Bürgermeister Reinhard Scholz und die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter. Heideneschers humorige Begrüßungseinleitung, ausverkauft sei in Wellingholzhausen sonst eigentlich nur ein Konzert der Heimatkappelle, passte zur aufgeräumten Stimmung im Saal.   

Nach dem Essen gehörte Bosbach das Mikrophon. Er war 23 Jahre Mitglied des Bundestages und jahrelang omnipräsent in allen Talkshows. Der langjährige stv. Vorsitzende der Bundestagsfraktion wandte sich immer mal wieder gegen Positionen seiner Partei und stimmte 2011 gegen eine Ausweitung des europäischen Rettungsschirms und ein Hilfspaket für Griechenland. Zeitweise überholte Bosbach Kanzlerin Merke bei den Popularitätswerten.

Mit Bibelzitat

„Ich bin ein fröhlicher Mensch, nicht auf Krawall gebürsetet und vertrete die Positionen der CDU oder die, die es mal waren“, bekannte er in Wellingholzhausen freimütig. Im übrigen heiße konservativ sein nicht rückwärtsgewandt sein. „Prüfet alles und behaltet das Beste“, sagte Bosbach in leichter Abwandlung eines Bibelzitats an dieser Stelle.

Er sei auch nach seinem freiwillluigen Ausscheiden aus dem Parlam,ent nicht politikverdrossen. „Sonst wäre ich nicht hier.“ Allerdings gebe es eine Parteien- und Politikerverdrossenheit im Land. „Der Graben zwischen Wählern und Gewählten wird immer größer“, bedauerte der Redneer. Dabei lebe doch keine andere Staatsform so sehr vom Mitmachen seiner Bürger wie die Demokratie. Warum falle es den Parteien eigentlich so schwer, Menschen für Politik zu begeistern? Mit Blick auf die CDU verwies Bosbach in diesem Zusammenhang auf ein Durchschnittsalter der CDU-Mitglieder von 61 Jahren, während die Deutschen im Durchschnitt 41 Jahre alt seien. „Ich werbe für die Demokratie in diesem Land: Die Bundesrepublik ist das Beste, was wir in unserer Geschichte hatten“, sagte Bosbach unter Beifall. Dies sei ein wesentlicher Verdienst der Großeltern und Eltern nach dem Krieg.

 

Heimatlose Mitglieder

„Wer den Zeitgeist heiratet, wird schnell Witwer“, warnte Bosbach vor vorschnellen Richtungswechseln. Die CDU liege zur Zeit ohne den Anteil der CSU bei rund 24 Prozent der Wählerstimmen. „Wir haben viele Wähler und Mitglieder in den vergangenen Jahren heimatlos gemacht.“ Viele heutige Bundestagsabgordneten hätten Angst, anzuecken und verhielten sich entsprechend. „Aber wir können es einfach nicht jedem Recht machen“, warb Bosbach für klarere Aussagen von Politikern.

Für den Bundestag und die Landtage werde es im übrigenm immer genügend Bewerber geben. In den Kommunalparlamenten aber sehe das ganz anders aus. Und das bereite ihm Sorge: Für ehrenamtliche Arbeit mit entsprechendem Zeitaufwand und auch mal Ärger noch Leute zu finden.

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Bosbach blickte nach Berlin. Dort trete das erste Mal eine Kanzlerin nicht mehr an. Er riet seinen Parteifreunden dazu, abzuwarten, bis im Herbst über die Nachfolge entschieden werde. Außerdem interessiere Partei-Internes die Bürger wenig. „Flugtaxis sind schön, aber es gibt viele Landkreise, da würden sich die Leute freuen, wenn mal wieder ein Bus fährt“, brachte Bosbach unter Gelächter und Beifall die Dinge auf den Punkt.

„Koalition wird halten“

Ob die Grünen die Lieblingspartei der CDU für eine mögliche Koalition seien, fragte er in den Saal. Und gab eine klare Antwort: „Die brauchen uns, um an die Regierung zu kommen und driften dann nach links ab.“ Die jetzige Regierung sieht Bosbach nicht in Gefahr: „Glauben Sie mir, die Koalition wird halten.“ Schließlich wollten die SPD-Bundestagsabgeordneten ihre Mandate behalten. „Die interessiert nicht, was Kevin Kühnert im Fernsehen erzählt.“

Enttäuscht zeigte sich Bosbach darüber, dass andere Nationen wie die USA oder Frankreich ihre Nationafeiertage fröhlich begingen, Deutschland aber am 3. Oktober keine rechte Freude zeige. „Da wird gerne die Querflöte genommen in Verbindung mit ernsten Reden“, kritisierte er die Verhaltenheit der Deutschen. Dabei sei Patriotismus, also Vaterlandsliebe, doch eine gute Sache, zumal er mit dem Nationalismus aus bösen Zeiten nichts zu tun habe. „Ein Lokalpatriot ist uns sympathisch und als Patrioten sollten wir uns nicht in die rechte Ecke stellen lassen."

Keine Politik in Moscheen

Bosbach wies auf 4,6 Millionen Muslime hin, die in Deutschland leben. „Die allermeisten sind friedlich und rechtstreu“, hob er hervor. Aber es gebe auch 40.000 Islamisten. „Ich möchte nicht, dass Erdogan Politik in den Moscheen macht, denn unsere Politik in Deutschland wird von und in den Parlamenten gestaltet“, erklärte der Redner.

Bosbach ging auch auf die momentane witschaftliche Entwicklung in Deutschland ein. Es gebe auch andere Länder, die aus der Kernkraft, aus der Kohle und aus Gaskraftwerken ausstiegen. „Aber kein Land tut das gleichzeitig so wie wir“, kritisierte der Politiker. Die Verantwortlichen müssten jetzt den Mut haben, zu sagen, dass Deutschland ein Industriestandort bleiben wolle, „Dazu brauchen wir sichere Energie zu bezahlbaren Preisen.“

Auch das Thema Europa sparte Bosbach nicht aus. „Europa muss zusammenbleiben, sonst werden die europäischen Länder in der Weltwirtschaft marginalisiert“, sagte er unter ausdrücklicher Erwähnung von China als aufstrebender Weltmacht. Deutschlands Stärken wiederum lägen noch in den Bereichen Bildung und Forschung. „Das sind die Zukunftsthemen eiens Landes“, bekräftigte er. Das gelte umso mehr in einer globalisierten Welt. „In einer globalisierten Welt schlägt der Schnelle den Großen.“

Langanhaltender Beifall belohnte Bosbach für seine Ausführungen. Geduldig ließ er sich anschließend noch mit Teilnehmern der Veranstaltung fotografieren.